Vorzugsaktien: Definition, Unterschied zur Stammaktie & Kauf

Vorzugsaktien vs. Stammaktien
Sebastian Legrand - Investment-Coach
Sebastian Legrand

Vorzugsaktie (englisch: preferred share): Aktiengattung ohne Stimmrecht in der Hauptversammlung, die Inhabern dafür Vorrechte bei der Gewinnverteilung einräumt – typischerweise eine höhere oder vorrangig ausgezahlte Dividende (Vorzugsdividende). Rechtsgrundlage sind die §§ 139 bis 141 des Aktiengesetzes. In Deutschland haben unter anderem Volkswagen, BMW, Henkel und Fuchs SE beide Aktiengattungen an der Börse notiert.

Wenn du eine VW-Aktie kaufen möchtest, begegnest du im Depot-Suchfeld zwei Optionen: VOW und VOW3. Beide sind Volkswagen – aber zwei verschiedene Aktiengattungen mit unterschiedlichen Rechten, unterschiedlicher Dividende und oft unterschiedlichem Kurs. Was dahintersteckt und welche Gattung für dich als Privatanleger besser passt, erklärt dieser Artikel.

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Was sind Vorzugsaktien – und wie unterscheiden sie sich von Stammaktien?

Eine Vorzugsaktie ist eine besondere Form der Aktie. Sie verleiht ihrem Besitzer kein Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung (HV), gewährt ihm dafür aber einen Vorzug bei der Gewinnverteilung. Dieser Vorzug besteht üblicherweise in einer höheren oder vorrangig ausgezahlten Dividende.

Auf Englisch heißt sie "preferred share" oder "preferred stock", aber das Konzept ist nicht deckungsgleich. Im deutschen System nach §§ 139 bis 141 AktG handelt es sich um eine variabel festgesetzte Mehrdividende. Im US-amerikanischen System erhalten Inhaber von Preferred Stock oft eine feste Ausschüttung ähnlich einer Anleihe. Was auf einem US-Finanzportal als "Preferred Stock" beschrieben wird, folgt anderen Regeln als die hiesige Variante.

Erkennungszeichen im Depot: Viele deutsche Titel dieser Gattung tragen die WKN-Endung "3" oder den Zusatz "Vz" in Kurslisten. So steht HEN3 für Henkel Vorzug, VOW3 für VW Vorzug, BMW3 für BMW Vorzug.

Der Gewinn je Aktie (EPS) als Kennzahl wird bei Unternehmen mit beiden Gattungen getrennt berechnet, weil Inhaber dieser Papiere andere Ausschüttungsansprüche haben als Stammaktionäre. Wer die Bewertung genau nachvollziehen möchte, sollte das im Blick behalten.

Stammaktie vs. Vorzugsaktie: Der direkte Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Unterschiede auf einen Blick:

Merkmal Stammaktie Vorzugsaktie
Stimmrecht auf der HV Ja Nein (Ausnahme: § 140 AktG)
Dividende Standard-Dividende Vorzugsdividende (höher oder vorrangig)
Typischer Kurs Meist etwas höher Oft günstiger (Ausnahmen existieren)
Liquidationsvorzug Kein automatischer Vorrang Kann vorrangigen Kapitalrückerhalt gewähren
Indexmitgliedschaft (DAX, MDAX) Variabel Möglich (z. B. VW Vorzug im DAX)
Typische Nutzung Institutionelle Anleger, Kontrolle Privatanleger mit Dividenden-Fokus

Stand: Juni 2026. Quelle: §§ 139-141 AktG (gesetze-im-internet.de), eigene Darstellung.

Grundsätzlich gilt: Wer Einfluss auf Unternehmensentscheidungen braucht, zahlt ein Aufgeld auf die Stammaktie (Stimmrechtspremium). Wer das nicht braucht, bekommt bei der Vorzugsaktie in der Regel einen Preisvorteil und dazu eine höhere Dividende. Eine wichtige Ausnahme – Fuchs SE – folgt weiter unten.

Unterschiede Vorzugsaktien und Stammaktien

Wie funktioniert die Vorzugsdividende bei Vorzugsaktien?

Die Dividendenrendite ist bei dieser Aktiengattung in der Regel höher als bei Stammaktien desselben Unternehmens. Das ist kein Zufall, sondern Konstruktionsprinzip. Die Vorzugsdividende setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  1. Vorabdividende: Vorzugsaktionäre werden bei der Gewinnverteilung zuerst bedient, bevor Stammaktionäre etwas erhalten.
  2. Mehrdividende: Vorzugsaktionäre erhalten zusätzlich einen festen Aufschlag je Aktie gegenüber den Stammaktionären.

Kumulativer vs. nicht-kumulativer Vorzug: Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn ein Unternehmen die Dividende aussetzt. Beim kumulativen Vorzug werden ausgefallene Beträge aus künftigen Gewinnen nachgeholt, bevor Stammaktionäre wieder etwas bekommen. Beim nicht-kumulativen Vorzug verfällt die ausgefallene Zahlung ersatzlos.

Laut § 139 Abs. 1 AktG darf diese Gattung maximal bis zur Hälfte des gesamten Grundkapitals ausgegeben werden. Die Ausschüttungsquote erklärt, welcher Anteil des Gewinns überhaupt ausgeschüttet wird.

Praxisbeispiel Sixt SE: Vorzugsaktionäre erhalten traditionell eine um 0,02 EUR höhere Dividende je Aktie als Stammaktionäre. Das ist ein klassisches Mehrdividenden-Modell nach deutschem Recht.

Wann lebt das Stimmrecht bei Vorzugsaktien wieder auf? – § 140 AktG erklärt

Das Stimmrecht fehlt bei dieser Aktiengattung, aber dieses Prinzip gilt nicht uneingeschränkt. Das Aktiengesetz schützt Vorzugsaktionäre vor dauerhafter Schlechterstellung:

§ 140 Abs. 2 AktG: Wenn die Vorzugsdividende in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nicht vollständig gezahlt wird, erhalten Vorzugsaktionäre volle Stimmrechte auf der Hauptversammlung. Diese bleiben erhalten, bis die rückständigen Beträge vollständig nachgezahlt wurden. Beim nicht-nachzahlbaren (nicht-kumulativen) Vorzug wird teils vertreten, dass das Stimmrecht schon nach einem Jahr auflebt – die gesetzliche Grundregel des § 140 Abs. 2 AktG bleibt jedoch der Ausfall in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

§ 141 AktG schützt zusätzlich: Die Aufhebung des Vorzugsrechts selbst ist nur mit einem Sonderbeschluss der Vorzugsaktionäre möglich. Dafür ist eine Mehrheit von drei Vierteln der betroffenen Stimmen erforderlich.

In deutschen Familienunternehmen bleibt das Wiederaufleben oft akademisch, weil Gründerfamilien die Stimmrechtsmehrheit kontrollieren. Bei Konzernen ohne dominierenden Kontrollaktionär kann das Stimmrecht einer großen Vorzugsaktionärsmasse hingegen Bewegung erzeugen, besonders in Übernahmesituationen.

Welche deutschen Unternehmen haben Vorzugsaktien – und was sagen die Spread-Daten?

In Deutschland gibt es noch rund zehn börsennotierte Unternehmen, die beide Gattungen an der Börse haben. Die bekanntesten sind:

Unternehmen Vorzugs-Kürzel Kurs-Spread (Richtwert) Besonderheit
Volkswagen AG VOW3 Vorzug rund 10-20 % günstiger VW Vorzug im DAX; struktureller ETF-Kaufdruck
BMW AG BMW3 Historisch ca. 26 % günstiger; angleichend Umwandlung 2025/26: rund 54,7 Mio. Vorzug zu Stamm (1:1)
Henkel AG HEN3 Beide ähnlich; Vorzug oft minimal höher Stamm kaum im Streubesitz; HEN3 ist der Handelstitel
Sixt SE Vz Vorzug günstiger Vorzugsaktionäre erhalten traditionell 0,02 EUR mehr je Aktie
Fuchs SE Vz Vorzug rund 20 % TEURER als Stamm Contra-Mythos: Vorzug im MDAX, ETF-Nachfrage treibt Kurs
Sartorius AG Vz Schwankend TecDAX-Mitglied; zeitweise Stamm-Premium

Spread-Richtwerte, Stand: Juni 2026. Spreads ändern sich täglich. Quelle: Fuchs SE Investor Relations, BMW Group Investor Relations, eigene Auswertung.

Der Contra-Mythos bei Fuchs SE: Viele Anleger gehen davon aus, dass diese Papiere immer günstiger sind als Stammaktien. Bei Fuchs SE gilt das Gegenteil. Die Vorzugsaktie ist im MDAX notiert, die Stammaktie hingegen nicht. ETF-Fonds, die den MDAX abbilden, müssen das Papier kaufen, das erzeugt strukturellen Kaufdruck. Ergebnis (Stand: Juni 2026, Richtwert): Vorzug rund 20 % teurer als Stamm. Wer diesen Indexeffekt nicht kennt, zahlt zu viel.

BMW als aktuelles Signal: BMW hat angekündigt, rund 54,7 Millionen Vorzugsaktien (BMW3) im Verhältnis 1:1 in Stammaktien umzuwandeln. Der Prozess läuft seit 2025/26. Nach Abschluss wird BMW nur noch eine Aktiengattung kennen. Das zeigt: Diese Strukturen sind keine unveränderlichen Konstrukte.

WKN-Muster: Die Endung "3" in der WKN kennzeichnet oft den Vorzugstitel (VOW3, HEN3, BMW3). Keine Pflicht, aber ein nützliches Erkennungszeichen.

Vorzugsaktien Kurs-Spread

Steuerliche Behandlung von Vorzugsaktien

Vorzugsdividenden werden steuerlich identisch wie Dividenden von Stammaktien behandelt. Für Halter dieser Aktiengattung gibt es keinen Sonderstatus, keine Vergünstigung und keinen Nachteil.

Abgeltungsteuer: Auf Dividenden fällt die Abgeltungsteuer von 25 % an, zuzüglich des Solidaritätszuschlags. Insgesamt ergibt das 26,375 %, ggf. zuzüglich Kirchensteuer (Stand 2026; Quelle: Bundesfinanzministerium).

Sparer-Pauschbetrag: Kapitaleinkünfte bleiben bis zu 1.000 EUR jährlich (Einzelperson) bzw. 2.000 EUR (Verheiratete) steuerfrei. Der Pauschbetrag gilt für alle Kapitaleinkünfte zusammen. Um ihn zu nutzen, musst du bei deiner Depotbank einen Freistellungsauftrag stellen.

Keine Teilfreistellung: Bei direkt gehaltenen Einzelaktien gibt es keine Teilfreistellung. Diese Regelung gilt nur bei Investmentfonds und ETFs.

Da Vorzugsdividenden oft etwas höher ausfallen, können sie den Pauschbetrag schneller aufbrauchen als Stammaktien-Dividenden. Wer Dividenden reinvestieren möchte, profitiert in beiden Aktiengattungen gleichermaßen von der Zinseszinswirkung. Für konkrete steuerliche Fragen empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Steuerberater (allgemeiner Rechtsstand 2026).

Wann lohnt sich der Kauf von Vorzugsaktien – und wann nicht?

Als Investor mit über 20 Jahren an den Märkten hat Sebastian Legrand über 23.000 Menschen beim Aufbau eines planbaren Zusatzeinkommens durch Aktien unterstützt. Was dabei auffällt: Für die meisten Privatanleger spielt das Stimmrecht keine Rolle. Die Entscheidung dreht sich fast immer um Kurs, Dividende und Indexzugehörigkeit.

Hier ein strukturierter Entscheidungsrahmen:

Vorzugsaktie wählen, wenn:

  1. Dividenden-Maximierung im Vordergrund steht und das Stimmrecht keine Rolle spielt.
  2. Die Vorzugsaktie im relevanten Index (DAX, MDAX, TecDAX) notiert und strukturellen ETF-Kaufdruck erhält.
  3. Es ein Familienunternehmen ohne realistische Übernahme-Fantasie ist (etwa Henkel oder Sixt). Das Stimmrecht hat dort wenig Hebel.
  4. Der Kurs-Spread mehr als 15-20 % Abschlag zur Stammaktie beträgt und sich historisch wieder angleicht.

Stammaktie bevorzugen, wenn:

  1. Das Stimmrecht auf der HV strategisch wertvoll ist (institutionelle Anleger, Kontrollanspruch).
  2. Übernahme-Spekulation im Raum steht, weil Kontrollprämien den Stammaktienkurs treiben können.
  3. Der Kurs-Spread eng ist und kein Dividendenvorteil den fehlenden Preisnachlass kompensiert.
  4. Das Unternehmen die Dividende gestrichen hat oder ein Ausfall möglich erscheint. Dann lebt nach § 140 AktG das Stimmrecht der Vorzugsaktionäre auf, was die Gattung komplizierter macht.

Da Vorzugsaktien oft günstiger sind und höhere Dividenden zahlen, ergibt sich häufig ein günstigeres Ausschüttungsverhältnis als bei der Stammaktie. Wer Dividenden clever reinvestiert, profitiert bei dieser Gattung besonders vom Zinseszinseffekt. Einen Einstiegsüberblick bieten auch die Aktien mit hoher Dividende 2026.

Dieser Rahmen ersetzt keine individuelle Beratung. Konkrete Entscheidungen solltest du mit eigener Analyse und bei Bedarf einem qualifizierten Berater absprechen.

Hoch im Kurs, niedrig in der Bekanntheit: Vorzugsaktien und Dividendenstrategie

Wer ein Dividendenportfolio aufbaut, sollte diese Aktiengattung nicht pauschal meiden. Bei deutschen Familienunternehmen bieten Vorzugsaktien nicht selten einen echten Renditevorteil: günstigerer Einstiegskurs und höhere Dividende in einem. Das Fuchs-SE-Beispiel zeigt, dass es auch umgekehrt laufen kann. Und die BMW-Umwandlung erinnert daran, dass auch scheinbar feste Strukturen sich ändern können.

Häufige Fragen zu Vorzugsaktien

Was ist eine Vorzugsaktie?
Aktie ohne Stimmrecht, die dafür eine bevorzugte Dividende (Vorzugsdividende) erhält. Rechtsgrundlage: §§ 139-141 AktG.

Was unterscheidet Vorzugsaktien von Stammaktien?
Stammaktien haben Stimmrecht, Vorzugsaktien nicht. Dafür erhalten Vorzugsaktionäre eine höhere oder vorrangige Dividende.

Warum sind Vorzugsaktien oft günstiger als Stammaktien?
Das Stimmrecht hat einen Kurswert (Stimmrechtspremium). Wer Einfluss will, zahlt mehr – wer Dividende will, bekommt oft einen Preisvorteil.

Was ist die Vorzugsdividende?
Dividendenvorrecht: Vorzugsaktionäre werden vor Stammaktionären ausgezahlt, oft mit einem festen Mehrbetrag je Aktie.

Wann erhalten Vorzugsaktionäre Stimmrecht?
Wenn die Vorzugsdividende zwei Jahre hintereinander nicht vollständig gezahlt wird (§ 140 Abs. 2 AktG).

Wie viele Vorzugsaktien darf ein Unternehmen ausgeben?
Maximal bis zur Hälfte des Grundkapitals (§ 139 Abs. 1 AktG).

Wie werden Vorzugsdividenden in Deutschland besteuert?
Identisch zu Stammaktien: 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag (26,375 %). Sparer-Pauschbetrag 1.000 EUR/Jahr gilt.

Welche deutschen Unternehmen haben Vorzugsaktien?
VW, BMW, Henkel, Sixt, Fuchs SE, Sartorius, Draegerwerk, Jungheinrich und Porsche Automobil Holding sind bekannte Beispiele.

Was bedeutet "kumulativer Vorzug"?
Ausgefallene Vorzugsdividenden werden aus künftigen Gewinnen nachgeholt, bevor Stammaktionäre wieder ausgeschüttet bekommen.

Wie erkenne ich eine Vorzugsaktie?
Oft an der WKN-Endung "3" (z. B. HEN3, VOW3) und dem Kürzel "Vz" in Kurslisten.

Dein nächster Schritt als Anleger

Wenn du verstehen möchtest, wie du aus solchen Grundlagenthemen einen strukturierten Depot-Aufbau mit planbarem Einkommen machst, ist die Börsenausbildung von mir der nächste Schritt. Dort lernst du, wie du Aktien systematisch auswählst, bewertest und ein Depot aufbaust, das langfristig funktioniert.

Disclaimer

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine individuelle Anlageberatung oder konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Eigene Recherche und gegebenenfalls Rücksprache mit einem qualifizierten Berater werden empfohlen. Historische Renditen sind kein Indikator für zukünftige Entwicklungen.

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Quellen

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Aktien für Einsteiger

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Sebastian Legrand - Investment-Coach
Sebastian Legrand
Börsen-Investor, Vater und Coach. Nachdem ich jahrelang damit beschäftigt war meine eigene Börsen-Strategie zu entwickeln, gebe ich sie heute an andere weiter. Wenn ich nicht gerade mit meinen 2 kleinen Söhnen Fußball spiele, bilde ich Privatanleger zu Börsen-Investoren aus, sodass sie sich ein Zusatzeinkommen durch Aktien generieren. In den letzten 3 Jahren habe ich schon mehr als 200 Menschen persönlich ausgebildet und mehr als 2.300 Menschen dabei geholfen durch die “SL-Strategie” stabile und hohe Renditen zu erzielen. Mehr Infos findest du auf der „Über mich“-Seite.

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