Eigenkapitalrendite (ROE): Formel, Benchmark und Rechner

Eigenkapitalrendite ROE
Sebastian Legrand - Investment-Coach
Sebastian Legrand

Die Eigenkapitalrendite (ROE, Return on Equity) ist eine Kennzahl der Fundamentalanalyse, die zeigt, wie viel Nettogewinn ein Unternehmen pro Euro eingesetztem Eigenkapital erwirtschaftet. Die Formel lautet: ROE = Jahresüberschuss / durchschnittliches Eigenkapital x 100. Ein Wert von 15-20 % gilt als solide – der S&P 500 erreichte 2024 im Schnitt 21,1 %. Dieser Artikel erklärt die Eigenkapitalrendite für Aktienanleger – nicht die Eigenkapitalrendite bei Immobilieninvestitionen.

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Was ist die Eigenkapitalrendite (ROE)?

Der Begriff "ROE" steht für Return on Equity, auf Deutsch Eigenkapitalrendite. Die Kennzahl beantwortet eine einfache Frage: Wie viel Nettogewinn erwirtschaftet ein Unternehmen mit jedem Euro, den Aktionäre als Eigenkapital eingebracht haben?

Die Formel ist schnell aufgeschrieben:

Eigenkapitalrendite (ROE)
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ROE = Jahresüberschuss / durchschnittliches Eigenkapital x 100

Der Jahresüberschuss (auch Nettogewinn genannt) stammt aus der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) des Geschäftsberichts. Er ist der Gewinn nach Steuern und Zinsen. Das durchschnittliche Eigenkapital (EK) ermittelst du als Mittelwert aus dem Eigenkapital zu Beginn und Ende des Geschäftsjahres. Das glättet Einmal-Effekte wie größere Kapitalerhöhungen.

Ein konkretes Beispiel: Allianz wies für das Geschäftsjahr 2023 ein Eigenkapital von rund 68 Mrd. EUR aus, der Jahresüberschuss lag bei ca. 8,5 Mrd. EUR.1 Das ergibt einen ROE von ungefähr 12,5 %. Für eine regulierte Versicherungsgruppe ist das ein solider Wert, weil Basel-III-analoge Solvency-II-Anforderungen das haltbare Eigenkapital nach oben zwingen.

Die Eigenkapitalrendite gehört zum Kernbestand der Fundamentalanalyse, neben dem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis), dem KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) und dem Gewinn je Aktie (EPS). Was den ROE dabei von diesen Kennzahlen unterscheidet: Er misst nicht, wie der Markt ein Unternehmen bewertet, sondern wie effizient das Unternehmen selbst mit dem anvertrauten Kapital arbeitet.

Ein dauerhaft hoher ROE, über viele Jahre stabil über 15 %, gilt als eines der stärksten Signale für einen wirtschaftlichen Burggraben (Economic Moat). Unternehmen mit echtem Wettbewerbsvorteil schaffen es, Jahr für Jahr überdurchschnittliche Renditen auf ihr Eigenkapital zu erzielen, weil sie Preismacht, Netzwerkeffekte oder Kostenvorteile besitzen, die Konkurrenten kaum kopieren können.

Eigenkapitalrenidte ROE Formel

Wie du die Eigenkapitalrendite einer Aktie berechnest

Du brauchst zwei Zahlen aus dem Geschäftsbericht:

Schritt 1 – Jahresüberschuss aus der GuV. Öffne den Geschäftsbericht (auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens oder über die Bundesanzeiger-Datenbank). Suche in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) die Zeile "Jahresüberschuss" oder "Nettogewinn nach Steuern". Das ist der Zähler.

Schritt 2 – Eigenkapital aus der Bilanz. Gehe zur Bilanz (Balance Sheet). Suche die Position "Eigenkapital" oder "Stockholders‘ Equity". Nimm den Wert vom Ende des Vorjahres und den Wert vom Ende des aktuellen Geschäftsjahres, addiere beide und teile durch zwei. Das ergibt das durchschnittliche Eigenkapital und ist der Nenner.

Schritt 3 – Dividieren und mit 100 multiplizieren. ROE = Jahresüberschuss / durchschnittliches Eigenkapital x 100. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl.

Ein Praxis-Tipp: Viele Finanzportale und Investor-Relations-Seiten zeigen den ROE direkt in der Kennzahlen-Übersicht. Dennoch lohnt es sich, ihn einmal selbst nachzurechnen – so erkennst du, ob ein Portal mit dem einfachen Eigenkapital des Jahresendes oder dem Durchschnittswert arbeitet. Die Unterschiede können bei Unternehmen mit starken Kapitalveränderungen mehrere Prozentpunkte ausmachen.

Eigenkapitalrendite Rechner: Deinen ROE berechnen

Was ist ein guter ROE-Wert? Branchen-Benchmark im Vergleich

Ein ROE von 15-20 % gilt branchenübergreifend als solide. Ab 20 % spricht man von einem starken Wert, sofern er nicht durch übermäßige Verschuldung oder Aktienrückkäufe künstlich erhöht ist.

Laut Auswertung von S&P Dow Jones Indices erzielten die Unternehmen im S&P 500 im Jahr 2024 im Schnitt einen ROE von 21,1 % – der höchste Stand seit über 50 Jahren. Der Stoxx 600 (europäische Vergleichsbasis) lag im gleichen Zeitraum bei rund 18,5 %. Historische Werte, keine Garantie für künftige Entwicklungen.2

Die wichtigste Erkenntnis dabei: Ein guter ROE-Wert ist immer relativ zur Branche. Ein Versicherungskonzern, der auf 12 % kommt, ist damit gut aufgestellt. Ein Softwareunternehmen ohne nennenswertes Anlagevermögen (Asset-light) sollte deutlich mehr erreichen, weil sein Eigenkapitalbedarf strukturell niedrig ist.

Branche ROE-Richtwert Hinweis
Technologie (US) 20-30 % Asset-light, hohe Margen
Konsumgüter (Marken) 15-25 % Burggraben-Indikator
Pharma 15-30 % F&E-Abschreibungen beachten
Banken (DE) 5-10 % Basel III erhöht EK-Anforderungen
Versorger 8-12 % Regulatorisch gedeckelt
S&P 500 Ø (2024) 21,1 % 50-Jahres-Höchststand
Stoxx 600 Ø 18,5 % Strukturell niedriger als USA

Stand: 2024. Quellen: NYU Stern / Damodaran ROE by Sector, S&P Dow Jones Indices.

Warren Buffett und sein Partner Charlie Munger haben über Jahrzehnte hinweg klargemacht, dass sie Unternehmen bevorzugen, die einen ROE von 15 % oder mehr über mindestens zehn Jahre aufrechterhalten – ohne dafür übermäßige Schulden aufzunehmen. Idealerweise lagen die Favoriten von Berkshire Hathaway deutlich darüber: Coca-Cola erzielte in starken Jahren ROE-Werte von 30-40 % allein aus dem operativen Geschäft, nicht aus Finanzierungseffekten (historisch, 1990er bis frühe 2000er Jahre; Coca-Cola Annual Reports).

Ein dauerhaft hoher ROE ohne exzessive Verschuldung ist eines der stärksten Signale, dass ein Unternehmen einen strukturellen Wettbewerbsvorteil besitzt. Unternehmen, die Jahr für Jahr deutlich über 20 % Eigenkapitalrendite erwirtschaften, können das in der Regel nur, weil Kunden bereit sind, einen Aufpreis zu zahlen oder weil die Kostenstruktur so effizient ist, dass Konkurrenz kaum mithalten kann.

Eigenkapitalrendite ROE Branchen

DuPont-Analyse: Wie entsteht die Eigenkapitalrendite?

Die DuPont-Analyse zerlegt den ROE in seine drei Bestandteile und macht sichtbar, woher die Rendite eigentlich stammt. Das ist entscheidend, weil ein ROE von 20 % aus drei grundlegend unterschiedlichen Quellen kommen kann:

DuPont-Zerlegung der Eigenkapitalrendite
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ROE = Jahresüberschuss / Umsatz_Nettomarge x Umsatz / Gesamtvermögen_Kapitalumschlag x Gesamtvermögen / Eigenkapital_Eigenkapitalmultiplikator

Nettomarge (Jahresüberschuss / Umsatz): Wie viel Gewinn bleibt nach allen Kosten und Steuern pro Euro Umsatz übrig? Eine hohe Nettomarge zeigt operative Stärke.

Kapitalumschlag (Umsatz / Gesamtvermögen): Wie oft "dreht" das Unternehmen sein Vermögen in Umsatz um? Handelsunternehmen wie Aldi oder Rewe haben niedrige Margen, aber hohen Kapitalumschlag. Das Geschäftsmodell beruht auf Volumen.

Eigenkapitalmultiplikator (Gesamtvermögen / Eigenkapital): Das ist der Verschuldungsgrad in umgekehrter Form. Je mehr Fremdkapital ein Unternehmen aufnimmt, desto höher fällt dieser Faktor aus. Damit steigt der ROE rechnerisch, ohne dass das Unternehmen operativ besser geworden wäre.

Diagnose-Matrix: Was treibt den ROE?

Haupttreiber Andere Faktoren Signal Bewertung
Nettomarge hoch Normaler Eigenkapitalmultiplikator Operative Stärke Qualitätssignal
Kapitalumschlag hoch Moderate Nettomarge Effizienz (z. B. Handel) Branchentypisch prüfen
Eigenkapitalmultiplikator hoch Niedrige Nettomarge Leverage-Risiko Warnsignal: ROA prüfen

In der Praxis lesen viele Anleger einen hohen ROE-Wert unkritisch als Qualitätssignal, ohne zu prüfen, welcher der drei Treiber dahintersteckt. Ein ROE, der ausschließlich durch hohe Verschuldung entsteht, ist kein Burggraben-Signal, sondern ein Risikofaktor.

DuPont-Analyse

Warum kann eine hohe Eigenkapitalrendite täuschen?

Es gibt zwei Situationen, in denen ein hoher ROE irreführend ist: negative Eigenkapitaleffekte durch Aktienrückkäufe (Buybacks) und außerordentliche Bewertungseffekte.

Fallbeispiel 1: McDonald’s

McDonald’s (MCD) kauft seit Jahren massiv eigene Aktien zurück. Der kumulierte Effekt dieser Buybacks hat das bilanzielle Eigenkapital so stark schrumpfen lassen, dass es per Mitte 2026 negativ war, bei rund -1,79 Mrd. USD laut Eulerpool-Daten auf Basis der IR-Seite von McDonald’s.3 Das Ergebnis: Der ROE für 2024 lag bei rund -216,57 %, eine Zahl, die schlicht bedeutungslos ist. McDonald’s ist als Unternehmen hervorragend aufgestellt; der ROE ist hier kein Qualitätssignal, sondern ein Recheneffekt.

Fallbeispiel 2: Apple

Bei Apple Inc. vollzog sich zwischen 2012 und 2022 ein ähnlicher, aber graduellerer Prozess. Der ROE lag 2012 noch bei rund 35 %, ein sehr solider Wert für ein Tech-Unternehmen. Durch das seit 2012 laufende Aktienrückkauf-Programm (insgesamt über 600 Mrd. USD bis Ende 2023) schrumpfte das bilanzielle Eigenkapital zunehmend, und der ROE stieg auf über 150 %, nicht weil Apple in dieser Dimension operativ effizienter wurde, sondern weil der Nenner der Formel kleiner wurde.

Die Faustregel bei auffällig hohem ROE: Sobald der ROE dauerhaft über 70-100 % liegt, prüfe zuerst die Bilanz. Ist das Eigenkapital klein oder negativ? Dann ist der ROE keine operative Kennzahl, sondern zeigt das Ergebnis einer Kapitalstruktur-Entscheidung. Der Gegencheck ist die Gesamtkapitalrendite (ROA, Return on Assets), die nicht durch die Kapitalstruktur verzerrt wird.

Eigenkapitalrendite vs. Gesamtkapitalrendite (ROA): Was ist der Unterschied?

Die Gesamtkapitalrendite (ROA, Return on Assets) misst die Rendite auf das gesamte eingesetzte Vermögen, also Eigen- plus Fremdkapital zusammen:

Gesamtkapitalrendite (ROA)
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ROA = Jahresüberschuss / durchschnittliches Gesamtvermögen x 100

Der entscheidende Unterschied: Der ROA lässt sich nicht durch Verschuldung in die Höhe schrauben. Er zeigt, wie gut das Unternehmen mit allem ihm anvertrauten Kapital wirtschaftet, unabhängig davon, ob dieses Kapital von Aktionären oder von Gläubigern kommt.

Die Relation zwischen ROE und ROA ist ein direktes Maß für den Verschuldungsgrad. Liegt der ROE deutlich über dem ROA (Faktor 2 oder mehr), arbeitet das Unternehmen mit erheblichem Leverage-Effekt. Das kann in guten Zeiten die Rendite steigern, in schlechten aber die Verluste verschlimmern.

Ergänzend dazu gibt es den ROCE (Return on Capital Employed, Rendite auf das betrieblich eingesetzte Kapital). Der ROCE bereinigt um kurzfristige Verbindlichkeiten und ist bei kapitalintensiven Industrien (Energieversorgung, Infrastruktur) oft aussagekräftiger als ROE oder ROA allein.

Kurze Übersicht der drei Rendite-Kennzahlen:

Kennzahl Zähler Nenner Besonderheit
ROE Jahresüberschuss Ø Eigenkapital Durch Verschuldung beeinflussbar
ROA Jahresüberschuss Ø Gesamtvermögen Verschuldungs-neutral
ROCE EBIT Eigenkapital + langfristige Schulden Für kapitalintensive Branchen

Achte bei Branchenvergleichen darauf, immer ROE und ROA gemeinsam zu lesen. Liegt der ROA eines Unternehmens dauerhaft unter dem Branchenschnitt, hilft auch kein hoher ROE: Das operative Geschäft arbeitet ineffizient, und die Verschuldung kaschiert das nur.

Wie Warren Buffett und die Levermann-Strategie die Eigenkapitalrendite nutzen

Warren Buffett hat den ROE nie als alleinigen Kaufauslöser beschrieben, aber er taucht in seinen Briefen an die Berkshire Hathaway-Aktionäre immer wieder als Qualitätsfilter auf. Aus dem Berkshire Hathaway Annual Report 2023 lässt sich ablesen, dass Buffett und Charlie Munger Unternehmen bevorzugen, die über viele Jahre hinweg 15 % oder mehr Eigenkapitalrendite erzielen, und zwar ohne exzessive Verschuldung.4

Das entscheidende Wort dabei ist "dauerhaft". Ein einzelnes Jahr mit 25 % ROE kann viele Ursachen haben: Sonderabschreibungen im Vorjahr, eine Steuerrückerstattung, ein außerordentlicher Verkaufsgewinn. Erst der Trend über 10 Jahre zeigt, ob das Geschäftsmodell strukturell in der Lage ist, Kapital effizient einzusetzen. Buffetts Blick gilt immer dem Verlauf, nicht dem Einzelwert.

Die Levermann-Strategie, ein Scoring-System der Finanzmathematikerin Susan Levermann, geht noch konkreter vor: Sie vergibt für einen ROE über 20 % einen Bonuspunkt im Gesamtscore. Ein Unternehmen, das diesen Schwellenwert erreicht, bekommt ein positives Signal in der Gesamtbewertung. Wer die Levermann-Methodik nutzt, verwendet den ROE also als einen von mehreren gleichgewichteten Faktoren, nie als alleiniges Kriterium.

Beide Philosophien teilen einen gemeinsamen Kern: Der ROE ist ein Filter, kein Kaufsignal. Er hilft, Unternehmen mit stabilen Wettbewerbsvorteilen von solchen zu unterscheiden, die trotz großem Namen nur durchschnittliche Kapitaleffizienz erreichen. Kombiniert mit einer Bewertungskennzahl wie dem KGV oder dem KBV ergibt sich daraus ein vollständigeres Bild.

Wer verstehen möchte, wie Profi-Investoren Kennzahlen wie den ROE systematisch in ihre Aktienauswahl einbauen, findet in meinem Buch "Aktien für Einsteiger" eine verständliche Einführung in den gesamten Analyse-Prozess.

Häufig gestellte Fragen zur Eigenkapitalrendite

Was ist ein guter ROE-Wert für Aktien?

Ein ROE ab 15 % gilt als solide, ab 20 % als stark, vorausgesetzt er entsteht nicht primär durch hohe Verschuldung oder Aktienrückkäufe. Der S&P 500 erzielte 2024 im Schnitt 21,1 %. Werte über 100 % sind meist ein Zeichen für negatives Eigenkapital, nicht für operative Exzellenz. Stets im Branchenvergleich prüfen: Banken und Versorger erreichen strukturell niedrigere Werte als Technologie- oder Markenkonsumgüter-Unternehmen.

Wie berechne ich die Eigenkapitalrendite einer Aktie?

ROE = Jahresüberschuss / durchschnittliches Eigenkapital x 100. Den Jahresüberschuss findest du in der Gewinn- und Verlustrechnung, das Eigenkapital in der Bilanz des Geschäftsberichts. Das durchschnittliche Eigenkapital ergibt sich aus dem Mittelwert von Jahresanfang und Jahresende. Mit dem interaktiven Rechner oben kannst du deinen Wert direkt berechnen.

Kann ein hoher ROE täuschen?

Ja, das tritt vor allem in zwei Situationen auf. Erstens, wenn das Unternehmen massiv eigene Aktien zurückgekauft hat und dadurch das bilanzielle Eigenkapital schrumpft oder negativ wird (Beispiel: McDonald’s mit ca. -216 % ROE 2024, da Eigenkapital negativ). Zweitens, wenn hohe Fremdkapitalaufnahme den Eigenkapitalmultiplikator (und damit den ROE) in die Höhe treibt, ohne dass das operative Geschäft besser wurde. Der Gegencheck: Gesamtkapitalrendite (ROA) parallel prüfen.

Was zeigt die DuPont-Analyse beim ROE?

Die DuPont-Analyse zerlegt den ROE in drei Faktoren: Nettomarge (Gewinneffizienz), Kapitalumschlag (Vermögenseffizienz) und Eigenkapitalmultiplikator (Verschuldungsgrad). So erkennst du sofort, ob ein hoher ROE aus operativer Stärke kommt, aus hohem Umschlag (typisch für Handelsunternehmen) oder aus Verschuldung. Ein ROE, der allein durch Leverage entsteht, ist ein Warnsignal.

Wie nutzt Warren Buffett den ROE?

Buffett verwendet den ROE als Qualitätsfilter: Er bevorzugt Unternehmen, die über mindestens 10 Jahre hinweg einen ROE von 15 % oder mehr erzielen, ohne dafür übermäßige Schulden aufzunehmen. Ein einzelnes gutes Jahr zählt für ihn wenig; entscheidend ist der Langzeit-Trend, der auf einen strukturellen Wettbewerbsvorteil hindeutet. Die Ausschüttungsquote oder die Dividende allein reichten Buffett nie, das Kapitaleinsatz-Ergebnis stand im Vordergrund.

Was ist der Unterschied zwischen ROE und ROA?

Der ROE (Return on Equity) misst die Rendite auf das Eigenkapital und wird durch Verschuldung beeinflusst. Der ROA (Return on Assets, Gesamtkapitalrendite) misst die Rendite auf das gesamte Vermögen (Eigen- plus Fremdkapital) und ist damit verschuldungsneutral. Liegt der ROE deutlich über dem ROA, signalisiert das hohen Verschuldungsgrad. Ein Unternehmen mit ROE 25 % und ROA 5 % arbeitet stark fremdfinanziert; ein Unternehmen mit ROE 20 % und ROA 18 % hat kaum Schulden und erwirtschaftet die Rendite fast vollständig operativ.

Mein Fazit zur Eigenkapitalrendite als Kennzahl

Der ROE ist eine der zuverlässigsten Kennzahlen, um Unternehmen mit echtem Wettbewerbsvorteil von solchen zu trennen, die nur durchschnittliche Kapitaleffizienz liefern. Ein dauerhafter ROE über 15-20 % ohne exzessive Verschuldung ist ein starkes Signal. Aber: Isoliert gelesen führt er in die Irre. Aktienrückkäufe, negative Eigenkapitalpositionen und hohe Fremdkapitalquoten können den Wert aufblähen, ohne dass das Unternehmen operativ besser wurde.

Die vollständige Analyse kombiniert ROE mit ROA, DuPont-Zerlegung und einer Bewertungskennzahl. Erst dann entfaltet er sein volles Potenzial als Qualitätsfilter.

Die Eigenkapitalrendite systematisch in der Aktienanalyse anwenden

Eine Kennzahl zu verstehen ist der erste Schritt. Sie zusammen mit weiteren Werkzeugen in eine konsistente Auswahlmethodik einzubinden, das ist der Schritt, der tatsächlich zu besseren Investitionsentscheidungen führt.

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Quellen und Datenstand

Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Investitionen in Aktien und andere Wertpapiere sind mit Risiken verbunden, einschließlich des vollständigen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Die genannten Unternehmen und Kennzahlen dienen als Beispiele zur Erläuterung der Methodik, keine Kaufempfehlung. Vergangene Entwicklungen (einschließlich historischer ROE-Werte) sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Führe deine eigene Analyse durch und ziehe bei Bedarf einen unabhängigen Finanzberater hinzu.

Alle Zahlen in diesem Artikel beziehen sich auf öffentlich verfügbare Daten zum angegebenen Datenstand (August 2026). Kennzahlen können je nach Datenanbieter und Berechnungsmethodik leicht abweichen.

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Sebastian Legrand - Investment-Coach
Sebastian Legrand
Börsen-Investor, Vater und Coach. Nachdem ich jahrelang damit beschäftigt war meine eigene Börsen-Strategie zu entwickeln, gebe ich sie heute an andere weiter. Wenn ich nicht gerade mit meinen 2 kleinen Söhnen Fußball spiele, bilde ich Privatanleger zu Börsen-Investoren aus, sodass sie sich ein Zusatzeinkommen durch Aktien generieren. In den letzten 3 Jahren habe ich schon mehr als 200 Menschen persönlich ausgebildet und mehr als 2.300 Menschen dabei geholfen durch die “SL-Strategie” stabile und hohe Renditen zu erzielen. Mehr Infos findest du auf der „Über mich“-Seite.

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